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Wie man philosophisch Berge besteigt


“Den höchsten Berg dieser Gegend habe ich am heutigen Tag bestiegen”. Voller Stolz beginnt ein junger Mann namens Petrarca so einen seiner Briefe. Und zu Recht ist er stolz: Bergsteigen war zu seiner Zeit, wir schreiben das Jahr 1336, keineswegs eine Freizeitbeschäftigung wie heute. Dementsprechend gab es keine Wanderwege oder Wanderkarten. Zudem geisterte diese Idee schon jahrelang bei ihm rum, wurde aber aus unterschiedlichsten Gründen nie umgesetzt.

Jetzt also, an einem schönen Apriltag, macht er sich auf den Weg, begleitet von seinem jüngeren Bruder. Mit Schwung und Elan, getrieben von der Neugier, stürmen die beiden bergwärts. Um bald einmal erschöpft auf einem Felsbrocken auszuruhen und zu realisieren:

Bei zu viel Tempo geht einem schnell einmal der Atem aus.

Erste Lektion gelernt.


Nach der Rast gehen sie bedachter ans Werk. Während der Bruder direkt nach oben steigt, versucht Petrarca möglichst bequem Höhe zu gewinnen. Prompt kommt er immer wieder auf Abwege und muss den Bruder um Hilfe bitten. Schliesslich setzt er sich frustriert hin, denkt nach und sagt zu sich: “Was erstaunt es dich?

Wenn man nach höheren Zielen strebt, geht es nicht ohne Anstrengung vonstatten.

Das gilt für’s Wandern, gilt für grosse Arbeiten, gilt für einen spirituellen Weg.” Zweite Lektion gelernt.


Oben auf dem Gipfel des Mont Ventoux werden die Beiden mit einem wunderbaren Blick beglückt: Die Alpen mit ihren Schneekappen, das Mittelmeer am Horizont, die langen Schatten, die sich mit der untergehenden Sonne über das Tal legen. Angesichts dieser Schönheit und der Distanzen, die überblickbar werden und gleichzeitig die Kleinheit des Menschen spürbar machen, erlebt Petrarca ein Wechselbad der Gefühle. Der unbekannte, neue Blick auf die Welt bringt ihn dazu, über sein eigenes Leben nachzudenken. Zermürbende Gedanken aus der Vergangenheit, eingetretene und vergebliche Hoffnungen, Ängste um die Zunkunft:

Alles erscheint in einem anderen Licht, verliert an Bedeutung.

Dritte Lektion gelernt.


Petrarca beschliesst, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. Tief in Gedanken, ohne ein Wort mit dem Bruder zu wechseln, steigt er in der Abenddämmerung ab. Zuhause wird er sich hinsetzen und davon schreiben, dass er im äusseren Reichtum des Erlebnisses seinen inneren Reichtum entteckt hat.

Vierte und letzte Lektion gelernt.


In diesem Sinne laden wir Euch ein, am

  • Donnerstag, 14. März 2019 ab 19 Uhr

euren inneren Reichtum zu erleben.


Wie immer bitte anmelden über die Homepage oder per Mail vihuma@bluewin.ch


Lichtreiche Grüsse

Victoria & Hubert