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Was uns Blumen verraten



Auch wenn die Temperaturen Achterbahn fahren: Der Frühling ist von Tag zu Tag mehr da! Überall spriessen die Bäume, Blumen strecken ihre farbenfrohe Pracht empor. Ohne sich darum zu kümmern, ob sie von uns beachtet werden oder nicht; oder ob wir uns über das Geheimnis ihres Blühens wundern. Dabei zeigt sich im Umgang mit dem geheimnisvollen Erblühen eine ganze Lebensphilosophie. Oder mit den Worten von Albert Einstein:

Es gibt nur zwei Arten zu leben. Entweder so als wäre nichts ein Wunder oder so als wäre alles ein Wunder.

“Ich sehe die Blumen! Und bewundere sie auch!”, mag man nun denken und sich heimlich auf die Schultern klopfen. Werfen wir aber trotzdem noch einen zweiten, einen genaueren Blick auf unser Verhalten im Alltag!

Wie oft ergeht es es uns nämlich wie dem frisch verliebten Pärchen in Fontanes Erzählung “Irrungen, Wirrungen”? Dort wollen ein junger Mann und eine junge Frau, beide frisch verliebt, einen Blumenstrauss pflücken. Dabei tritt zu Tage, wie gegensätzlich die beiden sind. Er sieht nur “reine Wiese, nichts als Gras und keine Blume. Nicht eine.” Sie hingegen entdeckt eine wahre Fülle und hat bald ein hübsches Stäusschen zusammen. “Weil du zu anspruchsvoll bist!”, bietet sie ihm als Erklärung dafür an, dass er keine sehen und finden kann. Man könnte auch sagen: “Weil Du falsche Vorstellungen hast.”

Du findest nichts, weil Du falsche Vorstellungen hast.

Verhalten wir uns im Alltag nicht immer wieder mal so wie der junge Mann? Die Wunder-Dinge liegen direkt vor unserer Nase, werden aber von uns aber nicht gesehen. Wir nehmen sie nicht wahr, weil wir etwas anderes erwarten oder suchen. Weil wir gefangen sind in unseren Vorstellungen.

Und ähnlich geht es uns, wenn uns jemand auf etwas Wunderbares hinweist, das da im Kleinen zu finden ist. Denn als der junge Mann die Blumenfülle in den Händen der Frau sieht, verbauen die falschen Vorstellungen ihm Mann den Zugang zur Schönheit des Sträusschens. Er begutachtet es, lässt einige wissenschaftliche Bezeichnungen fallen, und findet dann, da finde sich nichts rechtes darunter. Sie aber antwortet: “Du hast kein Auge für diese Dinge, weil du keine Liebe dafür hast, und Auge und Liebe gehören immer zusammen. Erst hast du der Wiese die Blumen abgesprochen, und jetzt, wo sie da sind, willst du sie nicht als richtige Blumen gelten lassen. Es sind aber Blumen, und noch dazu sehr gute.“

Das Auge für die Dinge und Liebe zu ihnen gehören immer zusammen.

In diesem Sinne können auch wir uns fragen, wie wir uns den Dingen gegenüber verhalten. Finden wir sie nur dann schön und erstaunlich, wunderbar, wenn sie unseren Vorstellungen entsprechen? Oder können wir unser Herz so öffnen wie die junge Frau in der Erzählung? Sie öffnet nicht nur ihr Herz, sondern nimmt sich auch die Zeit und die Hingabe, die es braucht, um überall Blumen zu entdecken. Und damit auch das Wunder und das Geheimnis, das alles durchdringt und sich denen zeigt, die sich wundern können. Oder, um mit Rumi zu schliessen:

Jede Rose, die in der äusseren Welt duftet, spricht vom Geheimnis des Ganzen.

In diesem Sinne laden wir Euch ein, wieder einmal Zeit zu nehmen, um genau hinzusehen auf das eigene Licht und dem Geheimnis des Ganzen nachzuspüren an unserem nächsten Lichtabend. Er findet statt am:

  • Donnerstag, 15. April 2021, ab 19 Uhr.

Wie immer bitte anmelden über die Homepage oder per Mail vihuma@bluewin.ch


Herzliche Ostermontags-Grüsse

Victoria & Hubert