Der Löwe und das Schaf




Es war einmal ein Schäfer, der hütete gewissenhaft seine Herde. Jeden Tag führte er sie auf eine Weide, wo sie saftiges Gras weiden konnten. Er spielte auf seiner Flöte oder ruhte sich im Schatten eines Baumes aus.

Eines Tages stürzte eine hungrige Löwin aus dem nahen Wald auf die Schafherde. Die Schafe flohen entsetzt in alle Richtungen. Die Löwin war trächtig, und als sie einen besonders grossen Sprung tat, ging dieser über ihre Kraft. Sie stürzte tot zusammen. Im selben Augenblick wurde ihr Junges noch geboren.


Der Hirte hatte in grosses Herz. Er nahm das kleine Löwenkind und zogs es liebevoll gross, zusammen mit seinen Schafen. Das Löwenkind wurde grösser und grösser und lebte, wie Schafe leben. Es frass Gras, es blökte wie ein Schaf, es verhielt sich wie ein Schaf. Auch als ausgewachsener, mächtiger Löwe, frass er Gras wie ein Schaf, blökte wie ein Schaf, verhielt sich, wie ein Schaf.


Und eines Tages geschah es wieder, dass ein wilder, stolzer Löwe aus dem nahen Wald in die Herde einfiel, um seinen Hunger zu stillen. Wieder flohen die Schafe entsetzt und angsterfüllt, blökend in alle Richtungen. Der wilde Löwe aus dem Wald sah zu seinem grossen Erstaunen unter den Schafen den fliehenden und blökenden Löwen. Er packte diesen und fragte: «Bruder, warum blökst du? Was ist aus deiner edlen Stimme geworden?» Der Schaflöwe flehte den wilden Löwen an: «Oh, ich bin nur ein kleines Schaf. Bitte bitte, tu mir kein Leid an.» «Du bist kein Schaf, du bist ein mächtiger Löwe.», sagte der wilde Löwe aus dem Wald. Der Schaflöwe verstand nicht und flehte weiter, der wilde Löwe möge ihm nichts antun, denn er wollen noch nicht sterben, er sei viel zu jung und zu klein, um gefressen zu werden. Da packte der König des Waldes den närrischen Löwen, führte ihn zu einem tiefen Brunnen und sagte: «Schau dein Bild im Waser an und erkenne, wer du bist!»


Schau und erkenne, wer du bist!

Angstvoll und zaghaft beugte sich der Schaflöwe über den Brunnenrand. Zitternd erwartete er, den Kopf eines Schafes zu erblicken, aber zu seiner grossen Überraschung war da kein Schaf, sondern der mächtige Kopf eines Löwen, mächtiger noch, als derjenige des wilden Löwen aus dem Wald. Da stieg Freude in ihm hoch und vor lauter Glück wollte er blöken. Aber aus seiner Kehle kam ein gewaltiges Brüllen, von dem der ganze Wald erbebte. Und so verschwand der Löwe in seine unendliche Heimat, den tiefen Wald.


Leid und Angst zwingen uns in die Selbstbetrachtung, wo wir die Augen nach innen wenden müssen, um unser wahres Gesicht im Herzen widerspiegelt zu finden.


«Ihr Gottheiten auf Erden! Sünder? Es ist eine Sünde, einen Menschen so zu nennen, es ist eine Schmähung der menschlichen Natur. Steht auf, Ihr Löwen und schüttelt die Täuschung ab, dass Ihr Schafe seid. Ihr seid nicht Materie. Ihr seid nicht Körper, die Materie ist Euer Diener, Ihr seid nicht Diener der Materie!»

Vivekananda



In diesem Sinne möchten wir Dich einladen, Deine Löwennatur an unserem nächsten Lichtabend zu erkennen. Dieser findet statt

  • am Donnerstag, 1. September 2022, ab 19 Uhr


Wie immer bitte anmelden über die Homepage oder per Mail info@vihuma.net



Löwen-Grüsse

Victoria & Hubert